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Kompakt zum harmonischen Schlussakkord: Muttenz - FC Oberdorf 3:4 (1:2)

Thierry Moosbrugger 09.05.2016

Unter der heissen Frühsommersonne kann der angeschlagene Oberdörfer Veteranenchor seine Partitur stimmsicher zu Ende bringen. Der Chor kann sich auf seine grundlegende Musikalität verlassen und beendet den Auftritt in Muttenz als Team erfolgreich, ohne weitere Ausfälle zu riskieren.


Jugendchor aus Russland, Veteranenchor aus Oberdorf: Harmonie macht Freude.
Veteranen-Meisterschaft, 7.5.2016.


Ausgangslage:
Die Region summte unter den Klängen des Europäischen Jugendchorfestivals. So stimmten auch die Oberdörfer Veteranen in die Musik ein. Jedoch mussten einige der Künstler dem strengen Tournee-Plan Tribut zollen und traten mit lädierten Instrumenten an oder müssen eine längere Konzertpause machen. Anstelle des gewohnten Souffleurs (er hatte einen Auftritt in der Oper „Bacchus“) präsentierte sein Vertreter eine geistliche Partitur in einfachem C-Dur: In der frühsommerlichen Hitze einen kompakten Klangkörper entwickeln und ausufernde Improvisationen vermeiden.


Der Oberdörfer Chor:
Basso Continuo: Giusi; Bass-Trio: Kämbe, Roschi, Claudio, Mezzosopran: Mätti; Alto prestuoso: Isi, Dirigent: Phipä; Rhythmus-Maschine: Domaqhi; Countertenor: Lewa; Startenöre: Blueme, Mischa. Da Capo al Fine: Lucio. Souffleur: Thierry.


Erster Teil: Der Kult-Tenor hat seinen Auftritt
Der Oberdörfer Chor versuchte von Beginn weg, sich auf die Kern-Partitur zu besinnen, schnell gekrönt von einem Höhepunkt, als der Countertenor mit einem Pizzicato durchbrach und der Kult-Tenor Blueme die Arie mit einem Triller erfolgreich abschloss.
Nur kurz danach quasi ein „Da Capo“ mit Variation: der Tenor setzte einen wunderbaren Schlusstakt hinter die Arie des Countertenors, mit einem Noten-Bogen-Ball, bei dem man nur kurz um die Stimm- bzw Fussbänder des Sängers fürchten musste.
Danach kontrollierten die Gäste die Partitur, auch wenn sie zuweilen Stimmkraft in kurzen Notenkombinationen legten, anstatt in langen Bögen die ganze Notenfeldbreite zu nützen, um das Stück zu beruhigen. Ebenfalls ergab sich aus den schnellen Wechseln eine grosse Distanz zwischen Bass und Höhe, so dass die Mitte des Notenfeldes oft verlassen war.
Die Muttenzer versuchten mit vielen schnellen Läufen ebenfalls zu einem Schlussakkord zu kommen. Sie benötigten dazu aber eine Unsicherheit des Oberdörfers Basso Continuo, der dem Heimtenor einen Schlussakkord ermöglichte.


Zweiter Teil: Sicher zu Ende gesungen.
Durch zwei Gäste-Arien, in denen der Countertenor das hohe C perfekt traf, war der Klimax erreicht; nun ging es darum, den Notenumfang noch kompakter zu halten. Das gelang nicht schlecht, auch wenn der Stereoklang nicht ausgewogen war: auf der rechten Chorseite wäre oft viel Notenleerraum gewesen, wogegen die Gäste auf der linken Seite zu oft in der Masse von Noten den Takt verloren. Zu beklagen wäre auch noch gewesen, dass die Oberdörfer Möglichkeiten zu weiteren Arien verpassten, doch dank dem unermüdlichen Einsatz des Dirigenten und der Rhythmusmaschine blieb die Partitur fest in Gästehand und die zwei Muttenzer Arien kurz vor Schluss konnten den Gesamteindruck nicht mehr umstossen.


Fazit: Pflicht erfüllt, Tourneepause verdient
Chorsingen funktioniert nur als Teamwork, und das zeigte der Gästechor heute mit Erfolg. Jeder sang seinen Part, so gut er konne und stützte den Sänger neben ihm. Auf diesem Soundteppich konnte der Countertenor Lewa seine ganze Wirkung entfalten, der an allen vier Arien direktbeteiligt war. Die lädierten Instrumente nahmen keinen weiteren Schaden: Nun können die antiken Kunstwerke dank einer Tourneepause gepflegt, die kleinen Risse im Furnier verölt und die angespannten Saiten gewachst werden.


Arien:
7. 0:1 Blueme. Lewa läuft rechts durch, passt in die Mitte, wo der Kultstürmer aus naher Distanz ins Tor trifft.
28. 0:2 Blueme. Eine Variation des ersten Tores, nur schiesst Mario nun die Hereingabe aus 14 Metern wunderschön in die rechte obere Ecke.
33. 1:2 Unsauberer Querpass auf Torwart Giusi, der wird vom Muttenzer Stürmer attackiert und schiesst diesen an, von welchem der Ball ins Tor fliegt.
43. 1:3 Lewa läuft im Strafraum durch und schiesst von Halbrechts ein.
52. 1:4 Eine wunderbare Freistossflanke von Claudio aus dem Halbfeld wird ebenso wunderbar von Lewa per Kopf verwandelt.
67. 2:4 Roschi drückt in einem Laufduell einen Muttenzer Stürmer nach unten – Penalty.
70. 3:4 Ein Sonntagsschuss aus 20 Metern.

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